Cevapcici und happy Sailing

Ein Segeltörn unter Familien-Freunden.

Die Woche in der Adria einfach als „Trainingslager“ für unser XXL-Projekt zu bezeichnen, würde dem Geist und der Stimmung auf diesem Törn nicht gerecht. Ganz und gar nicht. Zwar konnten Marc und ich harte und softe Ware noch einmal unter echten, salzhaltigen Bedingungen testen, Kenntnisse auffrischen, neue Erkenntnisse gewinnen. Zum Beispiel, dass es schlicht super ist, eine ganze Achterkabine als Reduit zum Verstauen von nicht täglich benötigtem Zeug nützen zu können. Und wie toll es sein kann, wieder einmal eine ganze Woche mit den (Schwieger-)Eltern auf wenigen Quadratmetern zu verbringen. Echt und ganz ehrlich! Unter den speziellen Corona-Umständen gehörte wohl auch es Bitzeli oder no chli mehr Mut dazu. Und Geduld mit Coolness auf Eis – wurden doch erst am 15. Juni die Grenzen wieder so geöffnet, dass eine Reise nach Kroatien ohne grössere Einschränkungen möglich war.

Nach der Sternfahrt über verschiedene Routen treffen sich OlMa und RoMa – Rolf und Marlyse, Olis Eltern – auf dem grossen Parkplatz in der Marina Veruda in Pula (Kroatien). In einem guten Stimmungsmix aus Vorfreude und (An-) Spannung transferieren wir tags darauf unser Quartier an Bord der „Tequila Sunrise“, eine Jeanneau Sun Odyssey 389 mit Baujahr 2016. Gebunkert wird bereits am Vortag, sodass wir schon am frühen Nachmittag auslaufen, Segel setzen und Kurs auf das Kap Kamenjak an der Südspitze von Istrien nehmen können. Nach dem kurzen Eingewöhnungs-Schlag finden wir in der Ankerbucht Portic ein sicheres Quartier für die erste Nacht an Bord. Das passt schon mal bestens, der Ankertrunk wird allgemein als verdient empfunden und der Bordalltag süüferli willkommen geheissen. Gut so.

Am nächsten Tag wagen wir den Gumpp auf die Insel Unije. Nach der etwas anstrengenden Vertäuung der Yacht am doch ziemlich umständlichen Bojen-Anlegesystem (mit Bug- und Heck-Muringleinen) wagt sich tout Crew im Dinghy unter Viertaktgeknatter an Land. Nach einer kurzen Wanderung über den Hügel erreichen wir auf der anderen Seite das Dorf Unije. Was zu Beginn nicht sehr einladend wirkt, endet am Schluss in einer netten Konoba direkt am Strand mit Blick durch Geranien-Hain aufs Hafenkino. Die bestellten Doraden entpuppen sich bereits auf den zweiten Blick als Tintenfische. Dafür sind die nachgereichten Cevapcicis lecker, der Hauswein und eine Extraportion Ferienstimmung kitzeln den Gaumen. Ein gelungener Segeltag findet mit der Rückverlegung ein Ende.

Der Montag führt uns unter etwas volleren Segeln ins rund 20 Meilen entfernte Bojenfeld zwischen zwischen Ilovik und Sveti Petar, südlich der Insel Losinj. Wir werden mit einer herrlichen Aussicht auf das kleine, hübsche Dorf Ilovik belohnt. Der mässige Nordwestwind erfordert sicheren Halt, die Boje Nummer 38 bietet diesen. Wir lassen uns mit dem Wassertaxi ins Dorf übersetzen. Einkaufen, Apéro, Nachtessen in einem netten Restaurant direkt am Kanal – und endlich gibt’s für OlMa frische Goldbrassen. Aber wirklich, wirklich frische! Mit einem sehr teuren Schafskäse in der Einkaufstasche – den muss der Skipper selber bezahlen! – fahren wir wieder zurück in unser schwimmendes Quartier.

Die weiterhin vorherrschenden Winde aus nördlichen Richtungen lassen uns am Dienstag auf einem Halbwindkurs mit flotten 6 Knoten nach Osten segeln. Shit happens, just an Marlyses Bikini-Bädele-Sünneletag erfordern es Dünung und Wind, ein paar Stunden in Schwimmwesten und mit Lifeline zu verbringen. Was ausgerechnet am ausgerufenen Bikini-Bädele-Sünneletag verständlicherweise auf wenig Begeisterung stösst. Mutti im Lockdown, angebunden am Cockpit-Tisch! Grrr… Nach öppe zwei Stunden war das Ganze auch schon wieder vorbei, ein Bade- und Mittagshalt im Windschatten der Insel Skrda wirken versöhnlich. Am Festland türmt sich das Gewölk und der kurz vor der Einfahrt in den Hafen Simuni einsetzende Fallwind lassen den Skipper an der Qualität der Routenwahl zweifeln. Doch die kleine Marina schützt gut, wir liegen einigermassen ruhig, mit etwas achterlichem Wind an der Pier. Auch dieser Ort scheint schon belebtere Zeiten gesehen zu haben, dafür gibt’s 30% Rabatt auf die Hafengebühr. Auch ein Statement. Und zwar ein sympathisches. Null Bock auf Beizen-Food, die Rösti an Bord schmeckt hervorragend!

Am nächsten Tag zeigt sich Aeolus wieder von der knausrigen Seite. So muss der Motorgott Yanmar einspringen und uns auf den rund 25 Meilen nach Cres den nötigen Vortrieb spenden. Die Reise lohnt sich. Vor Anker in der Martinscica-Bucht kommt auch Marlyse endlich zum wohlverdienten Bad im klaren, türkisblauen Wasser über Sandgrund. Genau so  stellt man sich eine Ankerbucht vor! Die kurze Exkursion per Dinghy zu einer nahen Ausgrabungsstätte führt bei Marc zu kurzzeitigem Herzrasen. Die stattliche Vierstreifennatter, die sich wegen Störung der Sonnenbadruhe zurückziehen muss, hat vermutlich auch keine Freude an dieser Begegnung. Ein herrlicher Sonnenuntergang bei Speis und Trank und guter Laune versöhnt Marc mit diesem Schrecken. Wie sich der Abend der Schlange gestaltete, entzieht sich unserer Kenntnis.

Donnerstag, Termindruck! Die Drehbrücke bei Osor, welche die Inseln Cres und Losinj verbindet, öffnet um Punkt 9 Uhr. Wir machen uns frühzeitig auf den Weg – im leichten Regen. Tolle Idee. Das Fahrwasser den Kanal rauf (oder runter?) ist äusserst seicht. Zwar ist die Fahrrinne gut markiert, stellenweise befindet sich aber bloss noch ein halber Meter Wasser unter dem Kiel. Dies ist zwar deutlich mehr als die berühmte Handbreit, reicht aber trotzdem für einen temporär trockenen Mund beim Skipper. Immerhin, der Regen hört bald auf und wir sind pünktlich am Ziel. Überpüntklich! So müssen vor dem Hafen bei Osor einige Warterunden gedreht werden und bald sind wir nicht mehr allein. Leider verliert Steuermann Marc die Pole-Position. Trotzdem passieren wir kurz nach 9 Uhr  glücklich und um ein cooles Erlebnis reicher die nicht sehr lange, dafür recht schmale Wasserstrasse mit reichlich achterlicher Strömung.

Nach der Passage Kurs West-Nord-West, zuerst unter Segeln, dann halt wieder unter Motor. Der zwischenzeitlich schon sehr routinierte Steuermann Rolf fährt irgendwie kryptische Kurse und verzweifelt an der unmöglichen Instruktion, nach einem bestimmten Einfallswinkel des scheinbaren Windes zu steuern. Der Fahrtwind weht immer von vorn… Test bestanden, Irrtum aufgeklärt, wir steuern wieder nach einer Landmarke. Und zwar direkt in die Bucht von Medulin, wo wir im Angesicht von glücklicherweise noch nicht sehr belebten Hotelanlagen und Campingplätzen die letzte Nacht unterwegs verbringen. Als der Skipper dann noch eine Lösung für die durch das Schwoien überspringende Ankerkette gefunden hat, kehrt endlich Ruhe ein. Und der Schlaf zurück.

Auf den letzten Meilen an Bord der „Tequila Sunrise“ runden wir Kap Kamenjak sowie das Leuchtfeuer Porer und nehmen wieder Kurs auf Pula. Nach einer ziemlich anstrengenden Wartestunde vor der einzigen Diesel-Zapfsäule – bei achterlichem Wind im rückwärtigen Standgas die Startposition behaupten, weischwie? – legen wir wieder am Steg 14 an. First-Class-Sailing macht dem Firmennamen alle Ehre, das technische Checkout wird unkompliziert und effizient erledigt. Die letzte Nacht in Pula verbringen wir alle wieder in unseren Camper-Liegen. Der Rest ist Geschichte. Und schöne Erinnerungen… an eine sehr stimmige Woche mit zufriedenen, entspannten und gwundrigen Menschen. Danke für diese wertvollen Tage, den Mutigen gehört die Welt! Gern wieder, auf bald, olmahoi