Nöschseetörn #9

Dernière nach Chevroux.

Und dann? Leider Flaute ohne Aussicht auf Besserung und überhaupt, zuviel des Guten wäre sowieso mehr als genug. Auf dem letzten Schlag unserer Segelreise gönnen wir unserer üppigen Segelgarderobe eine Pause und lassen uns vom Volvo Penta die paar Kilometer in den Heimathafen schieben. Das macht heute grad überhaupt rein gar nix. So legen wir – nach neun Tagen, und öppe 150 kreuz-und-queren Kilometern im Kielwasser – wieder am Steg Nummer 14 in Chevroux an. Den Rest-Dienstag verbringen wir noch mit einigen Reparatürlis und der Retablierung von Nordwind und Ausrüstung. Und nach dem dritten Aufstieg in den Masttop leuchtet jetzt auch wieder ein Ankerlicht dort oben. Gut so, denn dieses Licht schafft neue Möglichkeiten. Vor allem diese, legal beleuchtet vor Anker zu übernachten.  Noch haben wir nicht jeden Winkel des Sees erkundet und ein Nöschseetörn Volume 2 ist durchaus denkbar.

Mit einiger Skepsis sind wir vor neun Tagen aufgebrochen, die grosse Weite, der gewaltige Raum, den wir auf dem Meer bereits erleben und geniessen durften, schon mal präventiv vermissend. Auf dem Neuenburgersee haben wir allerdings eine andere, überraschend-stimmige Magie gefunden, liessen uns es birebitzeli von ihm verzaubern. Auf dem eigenen Boot die gute Nähe zu entdecken, im Kleinräumigen neue Horizonte zu finden und das Ganze auch noch mit uns lieben Menschen teilen zu dürfen, das war schon eine ganze Menge an Gutem. Wir sagen danke und geben gern zu: mit Nordwind auf dem Nöschsee haben wir grad so öppis wie unseren ganz persönlichen, kleinen Ozean gefunden. Gut, oder? Bis die Tage, olmahoi.

Nöschseetörn #8

Fendergirls, Kreuzzug, Portalban. Wala.

Und immer wieder geht die Sonne auf… mit der ersten Brise Bise und Eintreffen der Fendergirls (Version erweitert) hellt sich die, den meteorologischen Gegebenheiten entsprechend etwas eingetrübte, Stimmung blitzartig auf. Fehlerfrei biegt die mehrfach verdiente und unendlich geschätzte olmahoi-Frauschaft Sile und Christine um die Ecke und nimmt Kurs auf Nordwind. Mit von der Partie ist heute auch Fendergirl XS: Frölein Ana. Sie scheint allerdings zu Beginn wenig begeistert über dieses Vorhaben. Ist auch verständlich, schliesslich ist sie aus dem Kleinkinderschwimmkurs posttraumatisch belastet. War auch ein sehr kreativer (aber leider minderbegabter) Värslischmied, der sich in einem Liedli die Worte „Sturm“ und „Boot um“ für einen mässig dichtenden Reim aussuchte. Aberäbe. Gutes Zureden und nachdrücklich-gefühlvolles Über-die-Reling-aufs-Schiff-ziehen-stossen hilft in diesem Fall. Bald schon fühlt sich Ana auf der Nordwind fast wie zuhause. Die Paprika-Chips unterstützen diesen Prozess offensichtlich! Es folgen ein paar flockig-leichte, vergnügte Plauder- und Spielstunden an Bord. Ana jedenfalls scheint das Trauma überwunden zu haben und mehr noch: Getti meint sogar ein begeistertes Leuchten und den Wunsch, selber einmal ein Fendergirl zu sein, in ihren Augen erblickt zu haben… oder so. Wie auch immer, am frühen Nami zieht es unsere Bord-Freundinnen ins Resti und uns hinaus aufs Wasser. Herzdank für eure Heimsuchung, ihr seid immer willkommen; und eigentlich wissen wir gar nicht, wie das ohne euch an Bord funktionieren kann.

Kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen müssen wir exakt dies allerdings schleunigst herausfinden. Denn die Bise hat erfreulicherweise zugelegt, so dass nichts gegen einen Kreuzzug nach Portalban spricht. Rasch ist das Reff 1 im Gross eingebunden und die Fock ausgerollt. Nach einer Abschiedsrunde für die Fendergirls nehmen wir Kurs Richtung Nordost. Dieser Schlag macht mächtig Spass, mit knapp 5 Knoten Fahrt kreuzen wir flott über den leeren See. Grossartig! Pünktlich vor Portalban flaut der Wind etwas ab, wir bergen die Segel und finden gegen 18 Uhr Schutz im Hafen. Das Anlegen am „nackten“ Stegkopf benötigt ein wenig Kreativität, schliesslich bietet unsere HR aber ein sicher vertäutes Nachtquartier. Ein gepimptes Taboulé Marocain aus der Cucina bildet einen leckeren Abschluss eines weiteren wundervoll-stimmigen Tages auf dem Nöschsee. Wir sind dankbar für so vieles, was uns heute widerfahren ist.

Morgen werden wir die Segel zum letzten Schlag hissen. Wer dabei sein möchte, sei zum Weiterlesen herzlich eingeladen! Nicht aufgeben, stabil bleiben und hoppdebäse olmahoi.

Nöschseetörn #7

Mit chli Joran auf dem Weg zum Ziel: Cheyres.

Mmmpf. Die Gipfeli zum zMorge schmecken gut – merci, Marc – und die angesagte mässige Bise schmeckt uns sowieso. Vorsichtshalber bergen wir mal den Breezer und ziehen wieder mal ein neues Segel ins Roll-Vorstag ein. Die 19m2-Fock sollte heute passen. Ach, als Privilegos haben wir eine so tolle Segelgarderobe, da ist für jedes Windli was Passendes dabei. Voller Vorfreude fahren wir also gegen 10 Uhr aus dem Hafen und nehmen, mangels Alternativen, wieder mal Kurs Richtung Obersee. Also eigentlich möchten wir dies tun, aberäbe, der Wind weht uns irgendwie aus allen Richtungen und fast unmerklich entgegen. So hängen wir wieder mal den Breezer ans Geni-Fall, versuchen so die letzten noch umher hauchenden Windmoleküle einzufangen und in Vorwärtsfahrt umzusetzen. Zwischenzeitlich ist tatsächlich der Weg zum Ziel geworden, wir sind einfach nur glücklich, wenn sich überhaupt etwas bewegt.

Irgendwann dreht der Wind dann doch sachte auf Nordost/Ost, legt etwas zu. Natürlich werden wir sofort segelgiggerig und holen schon mal den Gennaker an die frische Luft. Schliesslich sind wir auch für Raumschotkurse gewappnet. Über dem Bieler- und Solothurner-Jura steht eine wunderschöne Wolkenwalze, wie eine Cannelloni trohnt sie ganz oben auf der ersten Krete. Und eigentlich, wenn man ganz ganz genau schaut, steht auch eine über dem unteren Nöschsee… Exakt diese Walze hätte uns eine Warnung, oder ämu ein deutlicher Vorbote sein müssen. Denn auf eine kurze Windstille wälzt sich ein ziemlich sportlicher Joran aus dem Wolkenband und fällt fadegrad und ungebremst auf den See hinaus. Auf eine kurze Chaosphase an Bord der Nordwind folgt das Rollout der Fock, das Gross erhält vorsichtshalber mal ein Reff und die Schoten werden dichtgeholt. Und so wird wieder einmal richtig gesegelt! Immerhin, jetzt haben wir das richtige Tuch angeschlagen, auch die alte Nordwind scheint die 12-15 Knoten Joran ebenfalls zu geniessen. Sie neigt sich sanft gegen Lee und zeichnet ein messerscharfes Kielwasser in den See. So geht das!

Nun darf wieder ein Ziel als Ziel gesetzt werden, Chevroux lassen wir an Backbord vorüber rauschen, das Ziel lautet Cheyres. Ausdauer hat der Joran heute nicht, nach einer halben Stunde ist bereits ausgehustet. Dafür bläst jetzt endlich die erwartete Bise einigermassen verlässlich, so können wir die flotte Fahrt fortsetzen. Irgendwann ist auch Estavayer querab und passiert, wir sind noch schampar im Flow! Mit genügend Uferabstand (seichte Sache, hier) bergen wir vor dem Hafen die Segel und tuckern unter Diesel auf die Innenseite der Mole. Nach einem langen, guten Tag belegen wir die Festmacher an einem Gästeplatz und dann geniessen wir nur noch: Die Natur rundum, all die schwimmenden, tauchenden, fliegenden Viecher mit Nachwuchs und natürlich das Hafenbierli. Und damit lassen wir auch das Bloggen heute ausklingen. Denn morgen wird es auch wieder öppis zu berichten geben. Stichwort: Fendergirls! Vorfreude darf herrschen…

Bis morgen dann. Einen allseits stabilen Sonntag, das wünschen olmahoi.

Nöschseetörn #6

Laténium, Le Cardinal und La Buvette.

Zwar vermochte die durchziehende Front letzte Nacht bloss die Sturm-Vorwarnung auszulösen (40 Geblinke pro Minute), gefühlt fegte sie dann doch ziemlich heftig über uns hinweg. Item, der Morgen danach präsentiert sich noch grau abgehangen, doch es wurde wieder einmal zünftig durchgelüftet. Nach dem Frühstück machen wir uns auf ins Laténium. Das Archäologie-Museum mit Aussenanlage liegt gleich um die Ecke. Vorbei an den Frischfisch-Verkaufsbarracken der einheimischen Fischer gelangen wir in den Museumspark und entlassen uns langsam in die Vergangenheit. Der beim Autobahnbau entdeckte und konservierte steinzeitliche Lagerplatz fasziniert gleichermassen, wie der Nachbau einer Pfahlbauerbehausung oder der im See versenkte Nachbau eines gewaltigen Lastenkahns aus der Keltenzeit. So vorgespannt wagen wir uns nach einem belebenden „Renversé“ im Café in die Innenräume des Museums. Hier lassen wir uns vom Audioguide auf eine äusserst spannende Reise durch die Epochen immer weiter in die Vergangenheit mitnehmen. Das Laténium begeistert nicht nur mit der eigentlichen Ausstellung, sondern auch dank der gewagt-gelungenen Architektur, die einen bislang noch nie erlebten, einmalig faszinierenden Bezug zwischen der Aussenwelt und der Ausstellung mit vielen regionalen Fundgegenständen ermöglicht. Neue Einsichten dank Ausblicken, quasi. Prädikat „sehr empfehlenswert“, OlMa sind begeistert!

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Bus 101 nach Nösch Zentrum, besuchen das Château und geniessen von dort aus herrliche Ausblicke über den See und die Stadt. Die grauen Wolken, die sich langsam von hinten über den Jura schieben, haben schliesslich doch kein Erbarmen und lassen ein Gewitter hernieder schauern. Macht aber nix, denn wir sitzen derweil wohl versorgt am Schärme in der Brasserie „Le Cardinal“ in der Altstadt. Subifägi. Schliesslich müssen wir uns doch noch in den Restregen wagen, schliesslich erwarten wir heute Besuch.

Pünktlich zum Apéro trifft Mätthu aus Biel ein, nicht überraschend per Velo und, dies ziemlich überraschend: unverregnet. Hat sich der Umweg über den Mont Vully doch gelohnt! Der Mätthu, der braucht das halt. Welcome on Bord, MaK! Nach der Erstversorgung mit Elektrolyten und Flüssigkeit wagen sich zwei in den See, dann wagen wir uns zu dritt in den Hafen von St. Blaise. Wir speisen, trinken und plaudern prächtig in der „Buvette“. In der blauen Stunde macht sich unser Gast auf den Rückweg nach Biel. Auf direktem Weg, wie er uns versichert und ja, er werde uns Bescheid geben, wenn er zuhause angekommen sei. Natürlich hält er Wort. Danke tuusig für deinen Besuch, Mätthu… immer wieder gern!

Erfüllt von all den spannenden, guten, belebenden Eindrücken finden wir rasch Schlaf. Ach ja, der Gute liegt so nah. Zwar immerhin fast einen Meter entfernt, ennet dem Klapptisch aus Mahagoni. Doch wenn man den Arm ausstreckt, kann’s reichen für ein Gschpüri. Flüchtig zwar, aber immerhin. Das ist Übernachten im Salon, weischwie? olmahoi!

Nöschseetörn #5

Hauterive.

Der Freitag ist eigentlich rasch erzählt. Aus Südwesten nähert sich eine Kaltfront und die wetterlichen Aussichten für Samstag sind auch nicht besonders sexy. So lösen wir um 11 Uhr in Esta die Leinen und lassen uns in nordöstliche Richtung breezen. Klappt zu Beginn ganz flott, mit guten 13 Knoten Wind rauschen wir an Chevroux vorüber, dann wird’s flautig, viel Geduld und feine Händchen an der Pinne sind jetzt gefragt. Die letzten paar Meter kommt dann halt noch der Diesel zum Einsatz. Jänusode.

Pünktlich zur Apérozeit legen wir im Hafen von Hauterive längsseits an, vertäuen Nordwind sturmsicher an der Bretterwand. Immerhin, die Törn-Logge zeigt seit Chevroux rund 75 versegelte Kilometer an. Darauf lässt sich anstossen! Wenig zu feiern gibt es in Hauterive in Sachen Infrastruktur. Die Duschen werden um 22 Uhr abgeschlossen, das Hafenresti scheint etwas abgehoben. Sicherlich sind das Luxusproblemli. Vor allem, weil der ein paar Kilometer seeabwärts gelegene, baugleiche Hafen von St. Blaise eigentlich alles bietet, was wir benötigen. So pilgern wir nach dem zNacht mit Abwasch und Duschtüechli zur Konkurrenz und sind uns einig, dass wir künftig in dieser Ecke des Sees wohl den Hafen in St. Blaise heimsuchen werden.

Aber heute bleiben wir wo wir sind. Denn am Samstag wollen wir von den Pfahlbauern über die Steinzeit ins Mittelalter segeln und natürlich wieder zurück in die Gegenwart. Denn schliesslich hat sich noch Besuch aus Biel angemeldet! Auch darauf freuen wir uns und harren der anrollenden Kaltfront in der gewohnt unvergleichlich stabilen und doch geschmeidigen Art… öppe so. Bis morgen, olmahoi.

Nöschseetörn #4

Zu dritt nach Estavayer. Und: wir könnten Regatta!

Der Morgen präsentiert sich noch bewölkt, sodass genug Zeit für ein kurzes Einkaufsjogging in die Bäckerei im Nachbarsort bleibt. Soviel Zeit muss sowieso sein, die Gipfeli zum zMorge sind schmadi und die Vorfreude auf die Hefeschnecken süss. Während sich die „Star Sailors“ auf ihren goldenen Regattageissen aufmachen zu einem weiteren Training, nageln wir statt der grossen, schweren Genua den Breezer ans Vorstag. Es sind eher leichte Winde aus Sektor Nord-Ost angesagt, das sollte also passen. Rasch noch die Relingleisten und Handläufe eingeölt, dann sind wir – gleichzeitig mit dem aufkommenden Wind – bereit für die Kreuz nach Estavayer. Bereits wärmt sich der Volvo Penta auf, die Vorleine ist auf Slip gelegt und jetzt trifft noch Besuch ein! Just in time stehen Marcs Eltern auf dem Steg. Heidi zögert nicht lange, nimmt Bärnus Angebot an und klettert an Bord. Sie begleitet uns auf diesem Schlag. So läuft Nordwind um 13:20 Uhr ausnahms- und erfreulicherweise mit Dreier-Crew aus. Kurz darauf steht der Breezer und wir segeln mit Wonne und 2-3 Knoten Fahrt gemütlich nordostwärts. Gemeinsam geniessen wir die Elemente, Sonne, Wind und Wasser.

Vor Concise ist die Verlockung zu gross. Recht voraus dümpelt eine gelbe Regatta-Boje, die den Goldjungs als Wendepunkt dient. Die sind aber grad anderweitig beschäftigt, sodass Nordwind mit einer durchaus ansehnlichen Wende ins Geschehen eingreift, heisst: die Boje rundet! Und dann gemütlich wieder Kurs auf Estavayer nimmt. Heute bekommen wir irgendwie nicht genug, schleichen uns trotz nachlassendem Wind unbeirrt unter Segeln Richtung Hafen. Gegen 17 Uhr sind die Leinen fest, Nordwind liegt längsseits am Gästeplatz D. Und Bärnu winkt von vis-à-vis, wohl erleichtert, dass wir Heidi unversehrt „zurückbringen“.

Mit einem zNacht im Hafenbeizli und einem grandiosen Sonnenuntergang verabschieden wir uns von Arns… und dem Tag. War schön, heute. Und morgen wird auch wieder gut, ganz sicher. Aber jetzt mal stabil durch die Nacht navigieren. Bis morgen, olmahoi!

Nöschseetörn #3

Von Wütherichen und Flöten.

Nach dem nächtlichen Regen ist das Deck am Morgen noch feucht. Weil sich im Tagesgang weitere Niederschläge angekündigt haben – und nach dem hyperanstregenden Segeltag gestern – entschliessen wir uns für einen Ruhetag  an Land. Wobei Ruhetag eher relativ zu werten ist. Jedenfalls schnüren wir die Schuhe und Wandern, zuerst dem See entlang in nordöstlicher Richtung, dann landeinwärts nach Champagne. Champagne, hä? Jawohl! Doch (ausnahmsweise) lockt nicht Alkohol, sondern „La Fabrique“ der Grossbäckerei Cornu, die in eben diesem Champagne ihre Wurzeln und ein spannendes, interaktives und mit der Produktion kombiniertes Museum erstellt hat. Coole Sache. Mit der Herstellung von „Flûtes“ hat alles begonnen, zwischenzeitlich hat sich die Familie Cornu ein wahres Backimperium aufgebaut und wagte im vergangenen Jahr sogar den Schritt über den Atlantik. Oder besser dessen Durchquerung und auch gleich noch durch den Pazifik und den Indischen Ozean. Als Titelsponsor des Schweizer Skippers Alan Roura auf seiner zweiten „Vendée Globe“ wurde die kleine Bäckerei-Fabrik im noch kleineren Neuenburger Kaff Champagne weltberühmt. Crazy. Und alle Segler*innen flöteln nur noch mit Cornu. Alle? Olmahoi ämu schon. Merci und voilà.

Beglückt und gestärkt wandern wir weitere zwei Stunden durch ein uns bis dato unbekanntes, wunderschön zwischen See und Jura sanft erhöhtes Weinbaugebiet, durch Rebberge zu den Menhiren in der Nähe von Corcelles. Diese stummen Gesellen standen bereits da, als die Eidgenossen im März 1476 die Truppen des „Wütherichs aus Burgund“ namens Karl der Kühne nach Hause trieben und den bekannten Burgunderschatz erbeuteten. Adrian von Bubenberg, unser aller Ädu war einer der bernischen Anführer, der mit Unterstützung der Innerschweizer, Zürcher, Thuner und Oberhasler (!) Truppen dies vollbrachte. Zwischenzeitlich ist alles wieder aufgeräumt, gefegt und poliert und die Burgunder Schätze befinden sich verteilt in Museen und Archiven.  Und eben dies verbindet Adrian mit Alan. Ämu irgendwie es Bitzeli. Capiche?

Per Poschi fahren wir von Concise nach Grandson zurück, wo wir uns über die Beute aus dem Fabrique-Laden hermachen. Am Abend kommt noch kurz Wind auf und sorgt für Aktivität der lokalen Regattacrews. Wir lassen den Tag gemütlich an Bord ausklingen und machen Pläne für Mittwoch. Und der wird auch ganz spannend werden. Bis morgen dann, stabil bleiben und olmaheidihoi!

Nöschseetörn #2

Grandson.

Bereits Adrian von Bubenberg schrieb in der Nähe von Grandson Geschichte. Für uns reicht’s bloss zu einer Geschichte… nämlich dieser: Mit strahlend blauem Himmel und einer Windprognose, die leichte Bise ankündigt, so empfängt uns der Dienstag. Gut geschlafen? Ja, super geschlafen, danke. Ist ja auch schön und ganz schön ruhig hier. Croissants von Tinet und Kaffe von Bialetti und es fühlt sich an wie richtige Ferien irgendwo.

Bereits um 10 Uhr lösen wir die Leinen, eine halbe Stunde später steht der Gennaker. Den See müssen wir bloss mit ein paar fischenden Rentnern teilen und so langsam nimmt Nordwind dank zunehmendem Nordostwind Fahrt auf. Genüsslich und erwartungsfroh cruisen wir so ans obere See-Ende, drehen vor dem prominent am Ufer trohnenden Schloss ein paar Ehrenrunden und legen schliesslich im Hafen von Grandson an. An Backbord liegt nachbarschaftlich eine HR 36  mit Heimathafen Hauterive. An Steuerbord liegen zwei 44-Fuss-Regattaboote im güldenen Kleid mit Crews, die sich vom Tagestraining erholen. Wie wir später herausfinden, handelt es sich um je eine Auswahl aus Estland und Portugal, die hier für den im 2022 geplanten „Gold Cup“ der „Star Sailors League“ trainieren. Alles in allem widerfährt uns so ein (auch optisch) durchaus gelungener Empfang.

Als Apéro-Programm gönnen wir uns nach einem kurzen Spaziergang durch das hübsche, alte Städtli gleich noch den Besuch im Château de Grandson. Während rund einer Stunde erkunden und bestaunen wir das sehr gut erhaltene Schloss aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Und wir lernen endlich Otto den Ersten kennen, wer kennt ihn nicht? Dem/der sei ein Schlossbesuch wärmstens empfohlen. Tomatenrisotto und Rotwein im nordwindigen Cockpit füllen die Mägen, eine Hafenspaziergang in der blauen Stunde prägt den Abend und grad gar nix könnte besser sein.

Und was Adrian von Bubenberg mit Alan Roura verbindet, diese Geschichte wird morgen erzählt. Dran bleiben, stabil bleiben, olmahoi.

Nöschseetörn.

In die Ferne schweifen… naja, ist halt grad noch nicht so „muss“, fanden wir. Und das Gute liegt bekanntlich nah. Ja, tatsächlich. Das Gute ist süss-nass, macht sich über fast 40km entlang des Jura-Südfusses breit, benetzt eine Fläche von mehr als 200km2 und ist rund 150m tief. Das Gute. Der gute Neuenburgersee. Und so machten sich die beiden Privilegos Marc & Oli auf, dieses Gewässer an Bord der tiptopp deckgeschliffenen und auf Hochglanz polierten Nordwind zu erkunden, zu spüren, zu erleben. Rasch war das Nötigste in den Schapps verräumt, die Kühlbox gefüllt und die noch fast neue, ungelüftete Segelgarderobe im Vorschiff verstaut. Am Montag, 31. Mai high-noon wurden die Leinen im Heimathafen Chevroux gelöst… und erst neun Tage später daselbst wieder belegt. Dazwischen gab’s Wind und Wetter, Fendergirls und Mätthu, Geschichte und Geschichten. So war das, in der guten Nähe.

Saint-Aubin.

Schwache Winde aus Nord/Nordost  sorgen für einen sehr gemächlichen Start. Und sie ermöglichen gleichzeitig einen ersten Segeltest. Mit der grossen, schweren Genua wären wir wohl heute noch unterwegs, so befreien wir den „Breezer“ aus dem Segelsack – eine Art Leichtwind-Genua oder „Code Zero“ – und hissen das Ding mal am Geni-Fall, freischwebend quasi. So schwebt unsere gute alte Hallberg Rassy 29 gemächlich, aber immerhin sövu, quer über den See nach Saint-Aubin.

Ein Gästeplatz ist rasch gefunden, Leinen fest um 17 Uhr im kleinen, feinen Hafen mit angrenzendem Park. Passt bestens. Der Hafenmeister ist bereits tschüss, ein Segelgenosse verrät uns die Lizenz zum Duschen, so ist eigentlich für alles gesorgt. Für fast alles. Denn auf dem Reko-Spaziergang entlang des Ufers finden wir im Selbstbedienungs-Kühlschrank der Pêcherie Arm zwei „truite fumée“-Filets. So ist auch das zNacht gesichert, die Forelle passt bestens zum mitgesegelten Härdöpfusalat.

Im hübschen, alten Städtchen mit steilen Treppen und engen Gassen findet man auch die üblichen verdächtigen Grossverteiler und sonstige Einkaufsmöglichkeiten. Speziell zu empfehlen ist die Boulangerie „Chez Tinet“ (in der Nähe der Kirche) inklusive hausgemachte Konfitüren – oder äbe confitures, pardon.

Und die nächste Etappe folgt morgen Dienstag, 14-tagesaktuell verschoben auf diesem Kanal. Bis dann, bleiben Sie stabil, olmahoi.