Von Wütherichen und Flöten.
Nach dem nächtlichen Regen ist das Deck am Morgen noch feucht. Weil sich im Tagesgang weitere Niederschläge angekündigt haben – und nach dem hyperanstregenden Segeltag gestern – entschliessen wir uns für einen Ruhetag an Land. Wobei Ruhetag eher relativ zu werten ist. Jedenfalls schnüren wir die Schuhe und Wandern, zuerst dem See entlang in nordöstlicher Richtung, dann landeinwärts nach Champagne. Champagne, hä? Jawohl! Doch (ausnahmsweise) lockt nicht Alkohol, sondern „La Fabrique“ der Grossbäckerei Cornu, die in eben diesem Champagne ihre Wurzeln und ein spannendes, interaktives und mit der Produktion kombiniertes Museum erstellt hat. Coole Sache. Mit der Herstellung von „Flûtes“ hat alles begonnen, zwischenzeitlich hat sich die Familie Cornu ein wahres Backimperium aufgebaut und wagte im vergangenen Jahr sogar den Schritt über den Atlantik. Oder besser dessen Durchquerung und auch gleich noch durch den Pazifik und den Indischen Ozean. Als Titelsponsor des Schweizer Skippers Alan Roura auf seiner zweiten „Vendée Globe“ wurde die kleine Bäckerei-Fabrik im noch kleineren Neuenburger Kaff Champagne weltberühmt. Crazy. Und alle Segler*innen flöteln nur noch mit Cornu. Alle? Olmahoi ämu schon. Merci und voilà.
Beglückt und gestärkt wandern wir weitere zwei Stunden durch ein uns bis dato unbekanntes, wunderschön zwischen See und Jura sanft erhöhtes Weinbaugebiet, durch Rebberge zu den Menhiren in der Nähe von Corcelles. Diese stummen Gesellen standen bereits da, als die Eidgenossen im März 1476 die Truppen des „Wütherichs aus Burgund“ namens Karl der Kühne nach Hause trieben und den bekannten Burgunderschatz erbeuteten. Adrian von Bubenberg, unser aller Ädu war einer der bernischen Anführer, der mit Unterstützung der Innerschweizer, Zürcher, Thuner und Oberhasler (!) Truppen dies vollbrachte. Zwischenzeitlich ist alles wieder aufgeräumt, gefegt und poliert und die Burgunder Schätze befinden sich verteilt in Museen und Archiven. Und eben dies verbindet Adrian mit Alan. Ämu irgendwie es Bitzeli. Capiche?
Per Poschi fahren wir von Concise nach Grandson zurück, wo wir uns über die Beute aus dem Fabrique-Laden hermachen. Am Abend kommt noch kurz Wind auf und sorgt für Aktivität der lokalen Regattacrews. Wir lassen den Tag gemütlich an Bord ausklingen und machen Pläne für Mittwoch. Und der wird auch ganz spannend werden. Bis morgen dann, stabil bleiben und olmaheidihoi!


Alan war auch da… hier mit Oli 
… hier mit Maske. 

