«Ist es heiss!»

Ich mag mich an diesen Spruch im Sommer 2003 von Harald Schmidt gut erinnern. In einigen Folgen seiner Show hat er das täglich gesagt. Seither sind ein paar Rekordsommer vergangen. Gleichwohl sagen mir Leute, die ich auf die Hitze hier in Griechenland anspreche, dass es diesen Sommer ja besonders heiss sei. Zwei Fakten: Luft: 35-39, Meer: 29 Grad Celsius.

Wenn ich die Gebäude anschaue: Klimaanlage hier, Klimaanlage dort. Das hilft natürlich. Auch ich nutze eine. Verschwitzt im Bett liegen ist unangenehm. Bauart der Häuser, soweit ich es beurteilen kann: Beton/Ziegelsteine, einfache Mauern. Isolation: scheinbar keine. Immerhin Isolierglas für die Fenster, hier und dort Storen oder Fensterläden.

Landschaft: sehr trocken. Landwirtschaft: Gewisse Bauern haben Tropfbewässerung installiert. An der Böschung der Autobahn habe ich auch Tropf-Bewässerungssysteme gesehen. Damit es «drumume» schön grün ist.

Hier ein paar aktuelle Links zur Wassersituation in Griechenland:

Es waldbrandet, es wassermangelt – es ist schwierig. Ich frage mich: sollte ich als Tourist hier sein? Vor ein paar Jahren haben wir auf eine Reise nach Namibia verzichtet, weil Dürre herrschte. Nun bin ich hier. Oli kommt in ein paar Tagen nach. Das Schiff haben wir schon lange gebucht, auf die Auszeit freuen wir uns noch länger. Und ich hätte schon vorher mehr wissen können zur aktuellen Lage in Hellas. Trotzdem bin ich, egoistisch, hier. Was kann ich beitragen, auch wenn es nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein ist? Überlegen, was Naturumstände nun für uns heissen? Heimreisen? Der Egoismus sagt: gebucht, wird gemacht. Wenigstens: Orte, die unter Wassermangel leiden, meiden. Wenn es Route, Wind und Wetter erlauben. Und wenn’s denn passt. olmahoi.

Marc en Landroute nach Athen.

Anreise von Bern per Zug über Milano nach Bari – da gibt’s wirklich sehr feine Orecchiette! – und weiter per Fähre nach Patras, von ebenda nach Galaxidi (mit Besuch in Delphi, wo ich auf das Orakel hoffte. Ihr Stein war da, aber Sybille selbst nicht – also musste ich ohne Beorakelung weiterziehen), Diakopto, von wo ein Zahnradbähnli ins peloponnesische Högerland getschutterlet ist. Das Schluchtige, Bergige war eine schöne Abwechslung zur Küste – und die paar Grad kühler taten auch ganz gut. Und weil diese paar Grad kühler nicht schon beim Blinzeln Schweissperlen evozierten, musste ich unbedingt ein paar Schritte wandern, genau genommen die halbe Bahnstrecke talwärts den Gleisen entlang. Ja, das gehört sich so auf dieser fussgängerischen Betätigung. Blöderweise habe ich mich nicht genau um die Distanz und Zeit gekümmert, sodass ich mehr laufend als gehend die Streckenmitte suchte. Ich kam zeitig vor dem Zug an, mit dem dann ich entspannt talwärts rollen durfte.

Kleine Orte erlauben, sich rasch zu orientieren, die Übersicht zu haben. Hier und dort der Suppermarkt, da und dort ein Supperbeck, dann noch eine Bar, ein paar Beizen, gut. Und da vorne das Meer. Da spaziert man in der Badehose hin, hüpft hinein, setzt sich hin, schaut, bleibt, geht nochmal rein oder heim. Gäbig, oder?

Anders ergeht es mir nun in Athen – diese Stadt ist ein Moloch. Viel, laut, schnell. Alles zu fast jeder Zeit. Zu viel, zu laut, zu schnell. Anstrengend. Was ist in der Umgebung? Wo soll ich essen? Wir lange fahre ich da hin, wo ich hin will? Wo geh’ ich einkaufen? Wo ist das Zentrum? Gibt es sonst noch Ecken, die zu besichtigen wären? Hop on/Hopp off Bus – wo steig man ein? Ist das Lokal hier gut zum Essen? Was sagen die Bewertungen? Sollte ich doch lieber das andere Lokal besuchen? Mit Google und seinen Maps geht das ja recht gäbig, nur klebe ich dann fast zu oft an diesem kleinen Bildschirm. Tourismus by Smartphone.

Gestaunt habe ich, als ich in Diakopto in einem Restaurant in die Küche geführt wurde und man mir gezeigt hat, was gekocht wird. Gefreut hat mich meine Intuition, in Patras ein Fischresti anzusteuern, weil es gut aussah. Vielleicht probiere ich das hier auch nochmal aus. Weil: das Meer ist dort, wo die Sonne untergeht, änefür die Stadt. Wala und olmahoi.

Hello Hellas.

olmahoi hissen nach längerer Zeit wieder mal für längere Zeit die Segel! Drei Jahre nach unserem langen Törn rund um Korsika und Sardinien dürfen wir bald ein paar Meilen Kielwasser in griechische Gewässer und unsere Fussspuren auf ägäische terre incognite zeichnen. Oder ganz einfach: wir gehen Segeln und Wandern und Gwundern in Griechenland. Und zwar während acht Wochen kreuz und queer in der Ägäis. Ein paar Wohin- und Was-Ideen reisen locker und leicht mit, einzig das Wie und Womit scheint derzeit fix.

Ende August dürfen wir in Alimos/Athen eine Sun Odyssey 36i (Baujahr 2008) übernehmen und damit bis Ende Oktober die schier endlose Inselwelt der Ägäis besegeln, erkunden, erleben. Wind und Wellen sowie ein paar technische Restriktionen werden die genaue Route massgeblich mitgestalten. Und ein gewisser Meltemi wird als hauptverantwortlicher Reiseleiter wohl Grenzen setzen, aber auch für Spiel, Spannung und Spass sorgen – hoffentlich.

Und im Oktober ist Besuch an Bord angemeldet. Grosse Vorfreude herrscht bereits jetzt!

Wer virtuell mitreisen und uns auf dem Abenteuer Agäis begleiten möchte, folge uns über diesen Kanal. Es darf in unregelmässigen Abständen mit einem neuen Blogbeitrag gerechnet werden.

Bis bald, jássas & jámmas! olmahoi