Yassou aus Alimos, Athen

11:12 Uhr, Leinen fest. So steht es auf der Seite vom Freitag, 18. Oktober im Logbuch. Nach einer ziemlich sportlichen Kreuzfahrt gegen Meltemi sind wir mit unseren one and only Fendergirls an Bord von Ismini wieder im Heimathafen angekommen. Alles ganz, alle gesund und happy. Und hier bleiben wir nun auch. Wegen Wind, Wellen und potenziellem Dichtestress im Saronischen Golf versuchen wir uns während den letzten Tagen in Griechenland süüferli wieder dem derzeit eher urban geprägten Landleben anzunähern. Einfach ist’s grad nicht, vor allem Oli befindet sich grad in einer Zwischenwelt, einem postskipperischem Loch, quasi.

Doch die Erinnerung an mehr als 700 anspruchsvolle und spannende Seemeilen durch die Ägäis im Kielwasser – davon fast 75% unter Segel – wird den Wiedereintritt in die landgebundene Umlaufbahn erleichtern. Sobald wir auch im sprichwörtlichen Sinn wieder festen Boden unter den Füssen haben, werden wir ausführlich über olmahoi 24 berichten. Über Anker an allerlei Ketten, römisch-katholische Anlegemanöver, über unsere Gäste aus dem höheren und tieferen Norden, über Begegnungen mit allerlei Getier und Kölsch Johnny, Wanderungen zu Fuss und durchs Wasser und was uns sonst noch so bewegt und beeindruckt hat. Mit Bild und Untertitel, versprochen! Ein paar Einblicke gibt’s schon mal hier, der Rest braucht noch etwas Zeit. Denn jetzt machen wir uns mal auf nach Meteora. Und dann – zu Land und zu Wasser – via Patras, Bari und Milano zurück nach Bern. Efcharisto und bis bald! olmahoi.

Vom «giire», «chlefele» u «tschädere»

Man mache sich ein Bild: Segelschiffe unter Fahrt mit gehissten Segeln, oder auch nur im Hafen liegend und vertäut sind grundsätzlich hübsch anzusehen. Für uns sowieso.

Bei genauer Betrachtung ist zu sehen, dass nebst Mast und Baum noch weitere Bestandteile den Oberbau eines Segelschiffes ausmachen. Da gibt es Stage, Wanten, Salinge. Dann gibt es all diese Seile und Schnüre, die eben nicht so heissen, sondern Fallen, Schoten, Leinen, Bändsel oder sein können, damit man die Segel hoch und runter kriegt und diese einstellen kann je nach Richtung zum Wind, aber auch gemäss Windstärke.

Und wenn man durch einen Hafen spaziert und es grad windig ist, ist auch auffällig, jetzt weniger visuell, sondern mehr akustisch, dass dann und wann etwas ächzt oder knartscht, quietscht, äbe: giiret, chlefelet oder tschäderet.

Für uns ist das zu vermeiden, da erstens das Material und zweitens die Nerven leiden. Wenn wir also des Nachts in der Koje liegen und eine Festmacherleine knartscht oder ein Fender quietscht, der zwischen Hafenmauer oder Nachbarsschiff schützend dazwischen hängt, gaht das nöd. Ausserdem wird der Schiffsrumpf zum Klangkörper, dessen Verursacherlärmintensivierung dem Schlaf nicht hilft. Auch ein schlagendes Fall auf einem Amwind-Kurs will ruhiggestellt werden.

Deshalb ist ein Skipper stets finding und hat z.B. eine dick aufgewickelte Rolle dünne Schnur für Bändsel, oder Putzlappen, Petfläschli, ja gar Schwimmnudeln oder Frottéwäsche, die er, nun, nicht zweckentfremdet, eher -erweitert, und sie quasi für Zusatzaufgaben bestimmt und bei Tauglichkeit qualifiziert wiederholt einsetzt, um Ruhe auf dem Kahn zu bekommen.

Schwierig wird es nur dann, wenn man in einer wunderschönen, stillen Bucht liegt, das Schiff mit all seinen Bestandteilen und dank des Skippers Umsicht nur Schiff und sonst nichts ist, dafür das Gegenüber atembezogene Geräusche im Schlaf produziert, die zwar mit Lappen, Petflaschen, Bändsel oder dergleichen behoben werden könnten, aus Nächstenliebe aber nicht eingesetzt werden.

Soviel zur Berichterstattung aus dem Bordalltag. Was wir sonst erleben und wohin (uns) unsere Reise bis jetzt führte folgt bald. olmahoi

«Ist es heiss!»

Ich mag mich an diesen Spruch im Sommer 2003 von Harald Schmidt gut erinnern. In einigen Folgen seiner Show hat er das täglich gesagt. Seither sind ein paar Rekordsommer vergangen. Gleichwohl sagen mir Leute, die ich auf die Hitze hier in Griechenland anspreche, dass es diesen Sommer ja besonders heiss sei. Zwei Fakten: Luft: 35-39, Meer: 29 Grad Celsius.

Wenn ich die Gebäude anschaue: Klimaanlage hier, Klimaanlage dort. Das hilft natürlich. Auch ich nutze eine. Verschwitzt im Bett liegen ist unangenehm. Bauart der Häuser, soweit ich es beurteilen kann: Beton/Ziegelsteine, einfache Mauern. Isolation: scheinbar keine. Immerhin Isolierglas für die Fenster, hier und dort Storen oder Fensterläden.

Landschaft: sehr trocken. Landwirtschaft: Gewisse Bauern haben Tropfbewässerung installiert. An der Böschung der Autobahn habe ich auch Tropf-Bewässerungssysteme gesehen. Damit es «drumume» schön grün ist.

Hier ein paar aktuelle Links zur Wassersituation in Griechenland:

Es waldbrandet, es wassermangelt – es ist schwierig. Ich frage mich: sollte ich als Tourist hier sein? Vor ein paar Jahren haben wir auf eine Reise nach Namibia verzichtet, weil Dürre herrschte. Nun bin ich hier. Oli kommt in ein paar Tagen nach. Das Schiff haben wir schon lange gebucht, auf die Auszeit freuen wir uns noch länger. Und ich hätte schon vorher mehr wissen können zur aktuellen Lage in Hellas. Trotzdem bin ich, egoistisch, hier. Was kann ich beitragen, auch wenn es nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein ist? Überlegen, was Naturumstände nun für uns heissen? Heimreisen? Der Egoismus sagt: gebucht, wird gemacht. Wenigstens: Orte, die unter Wassermangel leiden, meiden. Wenn es Route, Wind und Wetter erlauben. Und wenn’s denn passt. olmahoi.

Marc en Landroute nach Athen.

Anreise von Bern per Zug über Milano nach Bari – da gibt’s wirklich sehr feine Orecchiette! – und weiter per Fähre nach Patras, von ebenda nach Galaxidi (mit Besuch in Delphi, wo ich auf das Orakel hoffte. Ihr Stein war da, aber Sybille selbst nicht – also musste ich ohne Beorakelung weiterziehen), Diakopto, von wo ein Zahnradbähnli ins peloponnesische Högerland getschutterlet ist. Das Schluchtige, Bergige war eine schöne Abwechslung zur Küste – und die paar Grad kühler taten auch ganz gut. Und weil diese paar Grad kühler nicht schon beim Blinzeln Schweissperlen evozierten, musste ich unbedingt ein paar Schritte wandern, genau genommen die halbe Bahnstrecke talwärts den Gleisen entlang. Ja, das gehört sich so auf dieser fussgängerischen Betätigung. Blöderweise habe ich mich nicht genau um die Distanz und Zeit gekümmert, sodass ich mehr laufend als gehend die Streckenmitte suchte. Ich kam zeitig vor dem Zug an, mit dem dann ich entspannt talwärts rollen durfte.

Kleine Orte erlauben, sich rasch zu orientieren, die Übersicht zu haben. Hier und dort der Suppermarkt, da und dort ein Supperbeck, dann noch eine Bar, ein paar Beizen, gut. Und da vorne das Meer. Da spaziert man in der Badehose hin, hüpft hinein, setzt sich hin, schaut, bleibt, geht nochmal rein oder heim. Gäbig, oder?

Anders ergeht es mir nun in Athen – diese Stadt ist ein Moloch. Viel, laut, schnell. Alles zu fast jeder Zeit. Zu viel, zu laut, zu schnell. Anstrengend. Was ist in der Umgebung? Wo soll ich essen? Wir lange fahre ich da hin, wo ich hin will? Wo geh’ ich einkaufen? Wo ist das Zentrum? Gibt es sonst noch Ecken, die zu besichtigen wären? Hop on/Hopp off Bus – wo steig man ein? Ist das Lokal hier gut zum Essen? Was sagen die Bewertungen? Sollte ich doch lieber das andere Lokal besuchen? Mit Google und seinen Maps geht das ja recht gäbig, nur klebe ich dann fast zu oft an diesem kleinen Bildschirm. Tourismus by Smartphone.

Gestaunt habe ich, als ich in Diakopto in einem Restaurant in die Küche geführt wurde und man mir gezeigt hat, was gekocht wird. Gefreut hat mich meine Intuition, in Patras ein Fischresti anzusteuern, weil es gut aussah. Vielleicht probiere ich das hier auch nochmal aus. Weil: das Meer ist dort, wo die Sonne untergeht, änefür die Stadt. Wala und olmahoi.

Hello Hellas.

olmahoi hissen nach längerer Zeit wieder mal für längere Zeit die Segel! Drei Jahre nach unserem langen Törn rund um Korsika und Sardinien dürfen wir bald ein paar Meilen Kielwasser in griechische Gewässer und unsere Fussspuren auf ägäische terre incognite zeichnen. Oder ganz einfach: wir gehen Segeln und Wandern und Gwundern in Griechenland. Und zwar während acht Wochen kreuz und queer in der Ägäis. Ein paar Wohin- und Was-Ideen reisen locker und leicht mit, einzig das Wie und Womit scheint derzeit fix.

Ende August dürfen wir in Alimos/Athen eine Sun Odyssey 36i (Baujahr 2008) übernehmen und damit bis Ende Oktober die schier endlose Inselwelt der Ägäis besegeln, erkunden, erleben. Wind und Wellen sowie ein paar technische Restriktionen werden die genaue Route massgeblich mitgestalten. Und ein gewisser Meltemi wird als hauptverantwortlicher Reiseleiter wohl Grenzen setzen, aber auch für Spiel, Spannung und Spass sorgen – hoffentlich.

Und im Oktober ist Besuch an Bord angemeldet. Grosse Vorfreude herrscht bereits jetzt!

Wer virtuell mitreisen und uns auf dem Abenteuer Agäis begleiten möchte, folge uns über diesen Kanal. Es darf in unregelmässigen Abständen mit einem neuen Blogbeitrag gerechnet werden.

Bis bald, jássas & jámmas! olmahoi

Nöschseetörn #9

Dernière nach Chevroux.

Und dann? Leider Flaute ohne Aussicht auf Besserung und überhaupt, zuviel des Guten wäre sowieso mehr als genug. Auf dem letzten Schlag unserer Segelreise gönnen wir unserer üppigen Segelgarderobe eine Pause und lassen uns vom Volvo Penta die paar Kilometer in den Heimathafen schieben. Das macht heute grad überhaupt rein gar nix. So legen wir – nach neun Tagen, und öppe 150 kreuz-und-queren Kilometern im Kielwasser – wieder am Steg Nummer 14 in Chevroux an. Den Rest-Dienstag verbringen wir noch mit einigen Reparatürlis und der Retablierung von Nordwind und Ausrüstung. Und nach dem dritten Aufstieg in den Masttop leuchtet jetzt auch wieder ein Ankerlicht dort oben. Gut so, denn dieses Licht schafft neue Möglichkeiten. Vor allem diese, legal beleuchtet vor Anker zu übernachten.  Noch haben wir nicht jeden Winkel des Sees erkundet und ein Nöschseetörn Volume 2 ist durchaus denkbar.

Mit einiger Skepsis sind wir vor neun Tagen aufgebrochen, die grosse Weite, der gewaltige Raum, den wir auf dem Meer bereits erleben und geniessen durften, schon mal präventiv vermissend. Auf dem Neuenburgersee haben wir allerdings eine andere, überraschend-stimmige Magie gefunden, liessen uns es birebitzeli von ihm verzaubern. Auf dem eigenen Boot die gute Nähe zu entdecken, im Kleinräumigen neue Horizonte zu finden und das Ganze auch noch mit uns lieben Menschen teilen zu dürfen, das war schon eine ganze Menge an Gutem. Wir sagen danke und geben gern zu: mit Nordwind auf dem Nöschsee haben wir grad so öppis wie unseren ganz persönlichen, kleinen Ozean gefunden. Gut, oder? Bis die Tage, olmahoi.

Nöschseetörn #8

Fendergirls, Kreuzzug, Portalban. Wala.

Und immer wieder geht die Sonne auf… mit der ersten Brise Bise und Eintreffen der Fendergirls (Version erweitert) hellt sich die, den meteorologischen Gegebenheiten entsprechend etwas eingetrübte, Stimmung blitzartig auf. Fehlerfrei biegt die mehrfach verdiente und unendlich geschätzte olmahoi-Frauschaft Sile und Christine um die Ecke und nimmt Kurs auf Nordwind. Mit von der Partie ist heute auch Fendergirl XS: Frölein Ana. Sie scheint allerdings zu Beginn wenig begeistert über dieses Vorhaben. Ist auch verständlich, schliesslich ist sie aus dem Kleinkinderschwimmkurs posttraumatisch belastet. War auch ein sehr kreativer (aber leider minderbegabter) Värslischmied, der sich in einem Liedli die Worte „Sturm“ und „Boot um“ für einen mässig dichtenden Reim aussuchte. Aberäbe. Gutes Zureden und nachdrücklich-gefühlvolles Über-die-Reling-aufs-Schiff-ziehen-stossen hilft in diesem Fall. Bald schon fühlt sich Ana auf der Nordwind fast wie zuhause. Die Paprika-Chips unterstützen diesen Prozess offensichtlich! Es folgen ein paar flockig-leichte, vergnügte Plauder- und Spielstunden an Bord. Ana jedenfalls scheint das Trauma überwunden zu haben und mehr noch: Getti meint sogar ein begeistertes Leuchten und den Wunsch, selber einmal ein Fendergirl zu sein, in ihren Augen erblickt zu haben… oder so. Wie auch immer, am frühen Nami zieht es unsere Bord-Freundinnen ins Resti und uns hinaus aufs Wasser. Herzdank für eure Heimsuchung, ihr seid immer willkommen; und eigentlich wissen wir gar nicht, wie das ohne euch an Bord funktionieren kann.

Kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen müssen wir exakt dies allerdings schleunigst herausfinden. Denn die Bise hat erfreulicherweise zugelegt, so dass nichts gegen einen Kreuzzug nach Portalban spricht. Rasch ist das Reff 1 im Gross eingebunden und die Fock ausgerollt. Nach einer Abschiedsrunde für die Fendergirls nehmen wir Kurs Richtung Nordost. Dieser Schlag macht mächtig Spass, mit knapp 5 Knoten Fahrt kreuzen wir flott über den leeren See. Grossartig! Pünktlich vor Portalban flaut der Wind etwas ab, wir bergen die Segel und finden gegen 18 Uhr Schutz im Hafen. Das Anlegen am „nackten“ Stegkopf benötigt ein wenig Kreativität, schliesslich bietet unsere HR aber ein sicher vertäutes Nachtquartier. Ein gepimptes Taboulé Marocain aus der Cucina bildet einen leckeren Abschluss eines weiteren wundervoll-stimmigen Tages auf dem Nöschsee. Wir sind dankbar für so vieles, was uns heute widerfahren ist.

Morgen werden wir die Segel zum letzten Schlag hissen. Wer dabei sein möchte, sei zum Weiterlesen herzlich eingeladen! Nicht aufgeben, stabil bleiben und hoppdebäse olmahoi.

Nöschseetörn #7

Mit chli Joran auf dem Weg zum Ziel: Cheyres.

Mmmpf. Die Gipfeli zum zMorge schmecken gut – merci, Marc – und die angesagte mässige Bise schmeckt uns sowieso. Vorsichtshalber bergen wir mal den Breezer und ziehen wieder mal ein neues Segel ins Roll-Vorstag ein. Die 19m2-Fock sollte heute passen. Ach, als Privilegos haben wir eine so tolle Segelgarderobe, da ist für jedes Windli was Passendes dabei. Voller Vorfreude fahren wir also gegen 10 Uhr aus dem Hafen und nehmen, mangels Alternativen, wieder mal Kurs Richtung Obersee. Also eigentlich möchten wir dies tun, aberäbe, der Wind weht uns irgendwie aus allen Richtungen und fast unmerklich entgegen. So hängen wir wieder mal den Breezer ans Geni-Fall, versuchen so die letzten noch umher hauchenden Windmoleküle einzufangen und in Vorwärtsfahrt umzusetzen. Zwischenzeitlich ist tatsächlich der Weg zum Ziel geworden, wir sind einfach nur glücklich, wenn sich überhaupt etwas bewegt.

Irgendwann dreht der Wind dann doch sachte auf Nordost/Ost, legt etwas zu. Natürlich werden wir sofort segelgiggerig und holen schon mal den Gennaker an die frische Luft. Schliesslich sind wir auch für Raumschotkurse gewappnet. Über dem Bieler- und Solothurner-Jura steht eine wunderschöne Wolkenwalze, wie eine Cannelloni trohnt sie ganz oben auf der ersten Krete. Und eigentlich, wenn man ganz ganz genau schaut, steht auch eine über dem unteren Nöschsee… Exakt diese Walze hätte uns eine Warnung, oder ämu ein deutlicher Vorbote sein müssen. Denn auf eine kurze Windstille wälzt sich ein ziemlich sportlicher Joran aus dem Wolkenband und fällt fadegrad und ungebremst auf den See hinaus. Auf eine kurze Chaosphase an Bord der Nordwind folgt das Rollout der Fock, das Gross erhält vorsichtshalber mal ein Reff und die Schoten werden dichtgeholt. Und so wird wieder einmal richtig gesegelt! Immerhin, jetzt haben wir das richtige Tuch angeschlagen, auch die alte Nordwind scheint die 12-15 Knoten Joran ebenfalls zu geniessen. Sie neigt sich sanft gegen Lee und zeichnet ein messerscharfes Kielwasser in den See. So geht das!

Nun darf wieder ein Ziel als Ziel gesetzt werden, Chevroux lassen wir an Backbord vorüber rauschen, das Ziel lautet Cheyres. Ausdauer hat der Joran heute nicht, nach einer halben Stunde ist bereits ausgehustet. Dafür bläst jetzt endlich die erwartete Bise einigermassen verlässlich, so können wir die flotte Fahrt fortsetzen. Irgendwann ist auch Estavayer querab und passiert, wir sind noch schampar im Flow! Mit genügend Uferabstand (seichte Sache, hier) bergen wir vor dem Hafen die Segel und tuckern unter Diesel auf die Innenseite der Mole. Nach einem langen, guten Tag belegen wir die Festmacher an einem Gästeplatz und dann geniessen wir nur noch: Die Natur rundum, all die schwimmenden, tauchenden, fliegenden Viecher mit Nachwuchs und natürlich das Hafenbierli. Und damit lassen wir auch das Bloggen heute ausklingen. Denn morgen wird es auch wieder öppis zu berichten geben. Stichwort: Fendergirls! Vorfreude darf herrschen…

Bis morgen dann. Einen allseits stabilen Sonntag, das wünschen olmahoi.

Nöschseetörn #6

Laténium, Le Cardinal und La Buvette.

Zwar vermochte die durchziehende Front letzte Nacht bloss die Sturm-Vorwarnung auszulösen (40 Geblinke pro Minute), gefühlt fegte sie dann doch ziemlich heftig über uns hinweg. Item, der Morgen danach präsentiert sich noch grau abgehangen, doch es wurde wieder einmal zünftig durchgelüftet. Nach dem Frühstück machen wir uns auf ins Laténium. Das Archäologie-Museum mit Aussenanlage liegt gleich um die Ecke. Vorbei an den Frischfisch-Verkaufsbarracken der einheimischen Fischer gelangen wir in den Museumspark und entlassen uns langsam in die Vergangenheit. Der beim Autobahnbau entdeckte und konservierte steinzeitliche Lagerplatz fasziniert gleichermassen, wie der Nachbau einer Pfahlbauerbehausung oder der im See versenkte Nachbau eines gewaltigen Lastenkahns aus der Keltenzeit. So vorgespannt wagen wir uns nach einem belebenden „Renversé“ im Café in die Innenräume des Museums. Hier lassen wir uns vom Audioguide auf eine äusserst spannende Reise durch die Epochen immer weiter in die Vergangenheit mitnehmen. Das Laténium begeistert nicht nur mit der eigentlichen Ausstellung, sondern auch dank der gewagt-gelungenen Architektur, die einen bislang noch nie erlebten, einmalig faszinierenden Bezug zwischen der Aussenwelt und der Ausstellung mit vielen regionalen Fundgegenständen ermöglicht. Neue Einsichten dank Ausblicken, quasi. Prädikat „sehr empfehlenswert“, OlMa sind begeistert!

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Bus 101 nach Nösch Zentrum, besuchen das Château und geniessen von dort aus herrliche Ausblicke über den See und die Stadt. Die grauen Wolken, die sich langsam von hinten über den Jura schieben, haben schliesslich doch kein Erbarmen und lassen ein Gewitter hernieder schauern. Macht aber nix, denn wir sitzen derweil wohl versorgt am Schärme in der Brasserie „Le Cardinal“ in der Altstadt. Subifägi. Schliesslich müssen wir uns doch noch in den Restregen wagen, schliesslich erwarten wir heute Besuch.

Pünktlich zum Apéro trifft Mätthu aus Biel ein, nicht überraschend per Velo und, dies ziemlich überraschend: unverregnet. Hat sich der Umweg über den Mont Vully doch gelohnt! Der Mätthu, der braucht das halt. Welcome on Bord, MaK! Nach der Erstversorgung mit Elektrolyten und Flüssigkeit wagen sich zwei in den See, dann wagen wir uns zu dritt in den Hafen von St. Blaise. Wir speisen, trinken und plaudern prächtig in der „Buvette“. In der blauen Stunde macht sich unser Gast auf den Rückweg nach Biel. Auf direktem Weg, wie er uns versichert und ja, er werde uns Bescheid geben, wenn er zuhause angekommen sei. Natürlich hält er Wort. Danke tuusig für deinen Besuch, Mätthu… immer wieder gern!

Erfüllt von all den spannenden, guten, belebenden Eindrücken finden wir rasch Schlaf. Ach ja, der Gute liegt so nah. Zwar immerhin fast einen Meter entfernt, ennet dem Klapptisch aus Mahagoni. Doch wenn man den Arm ausstreckt, kann’s reichen für ein Gschpüri. Flüchtig zwar, aber immerhin. Das ist Übernachten im Salon, weischwie? olmahoi!

Nöschseetörn #5

Hauterive.

Der Freitag ist eigentlich rasch erzählt. Aus Südwesten nähert sich eine Kaltfront und die wetterlichen Aussichten für Samstag sind auch nicht besonders sexy. So lösen wir um 11 Uhr in Esta die Leinen und lassen uns in nordöstliche Richtung breezen. Klappt zu Beginn ganz flott, mit guten 13 Knoten Wind rauschen wir an Chevroux vorüber, dann wird’s flautig, viel Geduld und feine Händchen an der Pinne sind jetzt gefragt. Die letzten paar Meter kommt dann halt noch der Diesel zum Einsatz. Jänusode.

Pünktlich zur Apérozeit legen wir im Hafen von Hauterive längsseits an, vertäuen Nordwind sturmsicher an der Bretterwand. Immerhin, die Törn-Logge zeigt seit Chevroux rund 75 versegelte Kilometer an. Darauf lässt sich anstossen! Wenig zu feiern gibt es in Hauterive in Sachen Infrastruktur. Die Duschen werden um 22 Uhr abgeschlossen, das Hafenresti scheint etwas abgehoben. Sicherlich sind das Luxusproblemli. Vor allem, weil der ein paar Kilometer seeabwärts gelegene, baugleiche Hafen von St. Blaise eigentlich alles bietet, was wir benötigen. So pilgern wir nach dem zNacht mit Abwasch und Duschtüechli zur Konkurrenz und sind uns einig, dass wir künftig in dieser Ecke des Sees wohl den Hafen in St. Blaise heimsuchen werden.

Aber heute bleiben wir wo wir sind. Denn am Samstag wollen wir von den Pfahlbauern über die Steinzeit ins Mittelalter segeln und natürlich wieder zurück in die Gegenwart. Denn schliesslich hat sich noch Besuch aus Biel angemeldet! Auch darauf freuen wir uns und harren der anrollenden Kaltfront in der gewohnt unvergleichlich stabilen und doch geschmeidigen Art… öppe so. Bis morgen, olmahoi.