Ablegen mit Schwell

Da ist er nun also, der erste „richtige“ olmahoi-Blog. Internet ist überall und diesem sei Dank ist das Gekritzel jetzt auch online. Nun, wir sind in Calvi, an der Westküste Korsikas. Am Samstagmorgen kurz nach neun Uhr haben wir an einer Boje vor dem Hafen festgemacht. Gut so, Calvi hat uns wieder. Die Überfahrt ab Fréjus hierhin gestaltete sich ziemlich unspektakulär. Aber nicht ruhig. Denn der Volvo Penta musste rund siebzehn von zwanzig Stunden für den Vortrieb sorgen. Die paar Stunden unter Segel waren eher für die Psychohygiene. Und weil es so gäbig vorwärts ging – so ganz ohne quere Strömung und hart am Wind und so – sah der Mann im leuchtenden Halbmond die Wachhabenden am Steuer die Hüften schwingen und leise zur Musik in den Ohren mitsingen. Tomatenrisotto im Magen und ganz viele wilde Gedanken im Kopf. Ab vier Uhr wiesen uns die Blitze vom Leuchtfeuer La Revellata den Weg. Ja eben, und jetzt wettern wir die noch immer herrschende Hitze in den Unterhosen im Cockpit sitzend ab und geniessen das grosse Privileg, von unserem schwimmenden Wohnwagen namens Wanderlust aus die nächtliche Skyline von Calvi bestaunen zu dürfen. Irgendwie gut, dass es im Hafen keinen Platz mehr hatte. So geht das.

So ging es nicht immer. Nachdem wir uns vor einer Woche in Hyères von Olis Eltern verabschiedet hatten, entschieden wir uns, bereits am Sonntag morgen früh auszulaufen, um dem nahenden heftigen Mistral zu entfliehen. In einem Tag legten wir die rund 40 Seemeilen nach Fréjus zurück und fanden dort ein erstes, recht gut geschütztes, uns bereits aus dem Vorjahr bekanntes, Quartier. Am Montag feierte der Maestrale dann auch in Fréjus Party, nachdem er offenbar bereits im Golf von Lion sogar für dortige Verhältnisse heftig gewütet haben soll. Uns war’s recht, dass wir einen guten Abri hatten. Die nächste Nacht verbrachten wir quasi gleich um die Ecke, an einer Boje in der Rade d’Agay.

Der eindrückliche Schwell, der wegen der tagsüber wehenden Südwinde entstanden war, war nicht nur nervtötend – das Schiff ächzte und lärmte und jaulte um alle Achsen – sondern löste auch einen Schwell von angestauten Emotionen, ungeklärten Fragen, unterdrückten Ängsten aus. So fuhren wir vorübergehend zurück auf Feld zwei nach Fréjus und nahmen uns ein paar Tage Zeit. Jeder für sich selber, wir für einander und unser Projekt. Schliesslich fühlten wir uns wirklich bereit, das Abenteuer zu wagen. Vielleicht haben wir ein paar Tage verloren, sicher aber einiges gewonnen. Zuversicht, etwas Ruhe und Mut, weiterhin gemeinsam Segel zu setzen. Ab und zu muss halt zuerst das Kielwasser verschwunden sein, bevor der Kurs auf neue Ziele abgesteckt werden kann. Äbe. Und jetzt sitzen wir in den Unterhosen im Cockpit unseres schwimmenden Wohnwagens und geniessen das Privileg, die nächtliche Skyline von Calvi bestaunen zu dürfen. Und das ist grad extrem gut so.

olmahoi ist unterwegs, südwärts.

4 Gedanken zu „Ablegen mit Schwell

  1. Der Start scheint geglückt zu sein, auch wenn Mistral und Konsorte etwas mitgemischt haben. Wir wünschen gute Fahrt und hebet noch Sorg. D’Oberwiler

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  2. Hallo zäme
    Der Start scheint geglückt zu sein. Gute Fortsetzung von XXL und auf weeitere informative Berichte.
    Dänu

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