Vor Anker im Alltag – der Versuch eines Epi(B)logs.

Die Fahrt mit dem TGV von Marseille nach Mulhouse, die Rückkehr nach Bern mit Quarantänebefreiung als Willkommensgeschenk… das alles ist Geschichte. Die Geschichten aus drei wanderlustigen Monaten im Mittelmeer haben als Erinnerungen glücklicherweise im Gedächtnis Anker geworfen. Und zwar nachhaltig, bis jetzt jedenfalls. So kann bei Bedarf der Blick auf den weiten Horizont voraus gelenkt, Weite gefunden werden, wenn zu viele Häuser oder Mauern aller Art kurzsichtig machen. Erinnerungen an sonnig-salzige Tage mit Wind um den Grind werden wach, wenn kalt-grauer Nebel zu beengen droht. Meistens gelingt es, uns erfolgreich dagegen zu wehren, in viereckige Standardformen getrimmt und zurückgeschnitten werden, wie es den hiesigen Buschwerken und Gartenhecken und Bäumen derzeit widerfährt. Aber sonst geht es uns gut. Richtig gut und jammern geht grad gar nicht. Wir sind in ein schönes, herbstfarbenes Land zurückgekehrt, haben die schönsten Berge wieder neu gefunden, sind zu Hause bei und mit Menschen, die uns lieb und teuer sind. Der Rest ergibt sich, der Horizont wartet schliesslich auf uns, irgendwo da draussen.

Ja, wie war’s denn so? Intensiv und gut, heftig, anstrengend, fordernd. Lustig auch, traurig ab und zu, vergnügt, Genuss pur. Irgendwie so war’s. Seglerisch haben wir beide viel dazugelernt, persönlich ebenfalls. Jedenfalls sind wir gemeinsamer zurückgekommen und haben derzeit nicht vor, an dieser Zweisamkeit etwas zu ändern. Klar hätten wir rückblickend ein paar Sachen anders gemacht, ab und zu anders entschieden. Einige schwierige Stunden schneiden wir einfach raus, die werden sowieso durch viele unvergessliche Momente überstrahlt. Die Begegnung mit der Delphinschule auf dem Weg nach Carloforte gehört dazu, wie auch all die eindrücklichen Wetterszenen – Sonnenauf- und -untergänge, Gewitterfronten sans frontières, Mistralgebläse. Und das Kap Figari immer und immer wieder als Wundertüte zu erleben… auch das gehört dazu. Mehr davon! Ja, wir würden es wieder tun. Wann und wo wir wieder Leinen lösen und Segel setzen werden, wissen wir aber derzeit noch nicht. A suivre!

olmahoi sagt danke, grazie, merci

an all die lieben Familienmenschen, die den Topf in .ch am Kochen hielten, Post gesichtet, Rechnungen geschickt, Termine organisiert und wahrgenommen haben. Merci tuusig für die Unterstützung, ohne euch wäre das wohl kaum möglich gewesen.

an unsere Gäste Mätthu, Christine und Sile, die die Reise trotz seuchenbedingt widrig-schwierigen Bedingungen gewagt und uns an Bord besucht haben. Herzlichen Dank für die Heimsuchung, sehr gern und immer wieder.

an Maike, unsere Untermieterin, die während den drei Monaten tiptop zu unserem Gewohne geschaut und uns mit einem vollen Kühlschrank und Selbstgebäck verwöhnt hat. Gekommen um zu bleiben. Schön, dass du jetzt quasi unsere Nachbarin geworden bist!

an Sabrina und Stéphan von „Au Fil de l’Etrave“ in Hyères. Für das feu sacré, die engagierte und sympathische Unterstützung während allen Phasen und in allen Lagen unseres Projekts. Gern wieder! Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen, wenn wir unser restliches Gepäck in Hyères abholen.

an (fast) alle Menschen, denen wir auf unserer Reise begegnet sind, mit denen wir ein Lächeln austauschen, ein Plauderstündchen halten durften, die ihr Wissen und ihre Pläne mit uns geteilt haben. Au revoir irgendwann, irgendwo, wenn Neptun es erlaubt.

… und natürlich auch an euch, liebste Follower*innen :)) Für euer Interesse an unserer Reise, an unserem Befinden, für all die lieben, aufmunternden, witzigen Rückmeldungen auf unser Getexte. War echt schön mit euch… wir lassen uns gern mal wieder von euch ver-folgen.
Bleiben Sie auf Empfang.

… und last but not least ein grosses grazie et merci an unsere Freundinnen, die immer mit und für uns da waren. Als abschliessender Abschluss dieser Blogreihe ist ihnen, und auch chli euch allen, das folgende Gedicht gewidmet.

Für Dora D.

Ins Wasser die Ankerkette rasselt
Der Anker im sandigen Grund sich vergräbt
Die Ankerkralle eingekrallt, der Ankerball gesetzt
Der Motor aus und die Baderampe heruntergeklappt
Ganz ungefragt kommst du – blubb! – angeschwappt.

Du, was heisst hier du?
Ein viel von du, also ihr
Umkreist, unterschwimmt das Schiff
Vom Bug bis zum Heck
Wie andere Fische irgendwo sonst ein Riff

Man meint, ihr kommt und schautet in eurer Bucht
Zum Rechten.
Was nicht hingehörte, ihr jagtet in die Flucht
Denn die Pirania-Ähnlichkeit ist gegeben.
Dabei seid ihr harmlos, also: Einschätzung völlig daneben?

Was dann? Das reine Schwimm-Vergnügen
Ein bisschen Wasser vor sich herpflügen
Das tut ihr ja so, wie wir zu Fuss auf Land
Kanns das bloss sein? Fehlts mir an Verstand?

Doch Achtung! Hier! Da! Es springt und schwaddert
Es schnellt und pfeilt jetzt nach Krumen und Brosamen!
Die habt ihr also im Auge, die wollt ihr fressen! –
Und kleingehäckselte Käse- oder Fleischesresten
Danach ihr auf der Lauer seid und schnappt
Sobald das Zeug vom Teller ist geschabt.

Und beim Wasserlaufen um des Schiffes Rumpf
Dünkt’s mich: ihr begleitet einem im Schwarm
Schützend vor Quallen, Haien und den Rochen
Die mich bestimmt verspeisten, ohne mich zu kochen!

Was an diesen Zeilen Wahrheit und was erdichtet
Das kann ich nicht sagen, weil der Leser selbst drüber richtet.

Das schwimmende Aquarium am Ankerplatz
Diese mit schwarzem, feinem Streifen
Ansonsten silbrigglänzenden wassernassen
Waren’s nun Doraden oder krasse Brassen?

Weil wir das noch nicht wissen,
Sei euch hier und jetzt versprochen:
Wir fahren bald wieder und finden’s raus
Mit gesetzten Segeln, von Bucht zu Bucht
Und bloggen wieder, für euch, zu Haus‘.

Adiö merci tschouzäme!

Ein Gedanke zu „Vor Anker im Alltag – der Versuch eines Epi(B)logs.

  1. Hey ihr Sailing-Poeten.
    Die Reise war auch für mich ein Gedicht, ein Gedicht, dass gerne mit einem nächsten Vers erweitert werden darf. Würd mi freue! Danke und auf bald, Mätthu

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